Tyrolia steigt ein

Neben den Erfolgen unserer jungen Mannschaft (Durchmarsch von der 1. Klasse in die Bundesliga B und Gewinn des Mrkwicka-Cups) war wohl die Vermittlerfunktion des Generalsekretärs der Diözesansportgemeinschaft Wien, Hans Gärtner, ausschlaggebend, dass die "Wiener Metallwarenfabrik SMOLKA & Co" aus Schwechat mit ihrem damals gerade gross herausgekommenen Skibindungsmarkennamen "Tyrolia" gerade bei unserem Verein als Sponsor einstieg. TYROLIA`s sportbegeisterter Prokurist Walter Schwarzinger stellte sich damals und in der Folge immer wieder als wohlwollender "Förderer und Nothelfer" unseres Basketballvereins heraus, der seit der Saison 1970/71 unter dem Namen "UKJ TYROLIA" auftritt.

Sportlich gab es für unsere 1. Mannschaft nicht gerade Erfreuliches in der ersten Saison der Bundesliga B zu berichten: Der 10. und letzte Platz bedeutete die Rückkehr in die Wiener Landesliga. Unter dem neu geholten Trainer Hans Artner gelang allerdings innerhalb von zwei Saisonen der Wiederaufstieg in die B-Liga. An dem folgenden Höhenflug von UKJ Tyrolia waren neben unseren Eigenbauspielern (Juniorenteamspieler Wolfgang Macho, Herbert Gross, 2,05m Hausriese Gerhard Hladik, Wolfgang Jahn, Karl-Heinz Sykorovsky und andere) und dem Exilpolen Wojtech Jankowski (Saisonschhnitt 350 Punkte) auch unsere US-Gastspieler mitbeteiligt. Die berühmte Stanford-University aus Kalifornien hatte damals in Wien eine Oesterreich-Zweigstelle, an der ihre Studenten jeweils für ein halbes Jahr Europa-Studien betreiben konnten. Aus ihrem Heim in der Seilerstätte erhielten wir somit immer wieder basketballspielende Studenten, die dann zum Teil echte Verstärkungen für uns waren. Einer davon, Mark Hansson, hat uns nicht nur geholfen, 1973 wieder in die B-Liga aufzusteigen, er hat uns bei einem neuerlichen Oesterreichaufenthalt später nochmals verstärkt und weitere Stanford-Studenten zum Basketballspielen vermittelt. Doch davon später mehr.

Mittlerweile war bei UKJ Tyrolia eine 2. Herrenmannschaft gegründet worden, die - betreut von Karl-Heinz Sykorovsky und Wolfgang Macho - mit ihrem Durchmarsch von der 3. Klasse direkt in die Wiener Landesliga aufhorchen liess.

Bei unseren Nachwuchsmannschaften gab es einige interessante Entwicklungen. So ist zum Beispiel in einer Notiz aus dem Jahr 1971 von einer Freigabe des Schülerspielers Kurt Mittas an UKJ Schotten zu lesen, einer Schülermannschaft, bei der damals unter anderen auch Walter Koloszar spielte. Wenige Jahre später traten diese beiden zu UKJ Tyrolia ueber, wo sie uns bis heute erhalten geblieben sind.

Nicht vergessen darf man in unserer Vereinschronik, dass wir zwei Saisonen (1972-74) lang auch eine Damenmannschaft bei UKJ Tyrolia führten.

1973/74 spielte unsere 1. Herrenmannschaft wieder in der B-Liga und belegte unter Trainer Michael Sturmayr den ausgezeichneten 3. Rang. 1974/75 wurde die Rundhalle in der Florian-Hedorferstrasse eingeweiht und zu unserer Heimhalle erkoren. Die "Tyrolia-Tombolas" bei den Heimspielen unserer Bundesligamannschaft wurden - neben ausgezeichnetem Sport und spannenden Spielverläufen - zum Zuschauermagneten. Die Tribünen der Rundhalle waren meist voll besetzt, die Spieler selbst gingen nach dem Freitagtraining in den umliegenden Häuserblocks "Zettel austeilen", mit denen unsere Heimspiele beworben wurden. Die Frauen, Schwestern und Freundinnen der Spieler gestalteten ein reichhaltiges Buffet, einige Male rückte sogar die Polizei an, weil die Anfeuerrungsrufe der Zuschauer die Bewohner der umliegenden Siedlung zu sehr störte.

1976 erreichte unsere 1. Herrenmannschaft mit dem Meistertitel in der B-Liga den Aufstieg in die Bundesliga A - uebrigens im harten Kampf vor der damals von Rudolf Eibel, einem späteren Trainer unserer Wiener-Liga-Mannschaft, betreuten Mannschaft "Landis&Gyr". Für die junge Tyrolia Truppe (Altersschnitt 21 Jahre, nur Jankowski, Gross und Macho waren ueber 25), die sich mittlerweile durch die aus Oberwaltersdorf geholten späteren Nationalspieler Franz Graf und Hannes Pestal verstärkt und auch den schon sehr starken Junior Kurt Mittas in die Herrenmannschaft eingebaut hatte, war dieser Erfolg eine Riesensensation, ueber die in allen Zeitungen gross berichtet wurde.

Im selben Jahr wurden unsere Junioren - ebenfalls von Michael Sturmayr trainiert - Wiener Meister und Oesterreichischer Staatsmeister (u.a. mit Kurt Mittas, Walter Koloszar, Kurt Fritscher, Klaus Schuh, Johannes Pestal, Michael Rohacky, Walter Aigner).

Der "SPORTFUNK" berichtet damals: "Mit UKJ Tyrolia wurde die mit Abstand beste Mannschaft Staatsmeister. Die Juniorenteamspieler Mittas, Pestal (unter dem Korb) und Rohacky (Außen) waren von Koloszar, der mit traumwandlerischer Sicherheit traf, und dem schnellen Fritscher bestens ergänzt. In der Endrunde wurden UBBC Salzburg mit 112 : 58 und WSG Radenthein mit 86 : 43 deklassiert."

Die damals ausgetragene U 23-Meisterschaft sah (natürlich) ebenfalls UKJ Tyrolia als Meister.

Darüberhinaus gelang unserer 2. Herrenmannschaft unter Spielertrainer Sykorovsky in ihrem ersten Wiener Liga Jahr der hervorragende 4. Platz, sodass man diese Saison wohl als eine der erfolgreichsten ueberhaupt in der Vereinsgeschichte bezeichnen kann.

Leider folgte diesem Höhepunkt ein Jahr der Ernüchterung. Mit nur 5 Siegen musste UKJ Tyrolia als Achter und Letzter sofort wieder aus der A-Liga absteigen. Unstimmigkeiten zwischen Betreuer Sturmayr und dem Vorstand unter Karl-Heinz Sykorovsky führten fast zur Auflösung des Vereins. Schliesslich wechselte Sturmayr mit drei unserer stärksten Spieler zu ABC Milde Sorte, einige weitere Stammspieler verliessen ebenfalls den Verein oder beendeten ihre Basketballkarriere. Karl-Heinz Sykorovsky legte aus privaten Gründen das Amt des Vereinsobmanns zurück. Aus der 1. Herrenmannschaft waren praktisch nur mehr drei Spieler uebrig geblieben (Wolfgang Macho, Kurt Mittas, Herbert Gross).

In dieser schwierigen Situation rückte die verbliebene "Tyrolia-Gemeinde", bestehend aus den genannten und den Spielern der 2. und 3. Herrenmannschaft (sie war inzwischen gegründet worden), enger zusammen.

Mag. Herbert Gross, mittlerweile Lehrer am Bundesgymnasium 3 in der Kundmanngasse geworden, uebernahm das Amt des Vereinsobmanns, Richter Dr. Bruno Weiss wurde Obmannstellvertreter, Dr. Werner Schwarz Kassier, Kurt Fritscher, Hannes Giffinger, Anton Stanzel (als ueberaus rühriger Pressereferent), Franz Bosak und Hannes Sowa (immer noch bei RBM Vienna in der Wiener Liga aktiv) bildeten den restlichen Vorstand. Der für die weitere Entwicklung entscheidende Schritt war in dieser Situation sicherlich die Zusammenarbeit mit dem Verein "Union-Hernals-Schotten-Bundesländerversicherung" und seinem Obmann Wilfried Jung, dem späteren Langzeitpräsidenten des Wiener Basketballverbandes.

UHS-BLV besass junge, zukunftsträchtige Spieler und etwas mehr Geld als UKJ Tyrolia. Wir wiederum hatten einen B-Liga Platz und drei mittlerweile routinierte Bundesligaspieler. Mit Prof. Norbert Bayer konnte ein erstklassiger Trainer engagiert werden. Der schon früher bekannte Mark Hansson verstärkte uns wieder für eine Saison, aus der eidenen "zweiten Reihe" wurde u.a. Kurt "Fuzzy" Fritscher eingebaut und von UHS-BLV kamen auch einige junge Talente (unter ihnen auch Erich Kratschmer, der jetzige Bundesliga- und FIBA-Schiedsrichter). Der Erfolg stellte sich sofort ein. Bereits im ersten Jahr gelang mit dem 2. Platz in der B-Liga der Wiederaufstieg in die A-Liga, die damals auf 10 Teams aufgestockt wurde.